Lesung “Feig, faul & frauenfeindlich”

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Lesung im DHI: "Feig, faul, frauenfeindlich" mit Omar Khir Alanam

Bestseller-Autor Omar Khir Alanam zu Gast im Dr. Holzinger Institut

Wie übersteht man es mental und physisch, wenn in der eigenen Heimat Krieg ausbricht? Wenn man keine andere Möglichkeit sieht, als sein Studium abzubrechen und zu fliehen? Wenn zwei Jahre lang ausbeuterische Arbeitsverhältnisse, Ungewissheit, Diskriminierung und Heimatlosigkeit an der Tagesordnung stehen? Omar Khir Alanam hat in seinem Leben Dinge erlebt, an denen andere zerbrechen. Er beschloss, in dieser harten Schule nicht unterzugehen, sondern zu wachsen. Gelandet ist er schließlich in Österreich, wo er zum Poetry Slammer und Bestseller-Autor avancierte. Wie er das geschafft hat, hat er am 5.11.2022 bei seiner Lesung im Dr. Holzinger Institut erzählt.

„Morgen ist schöner“

Eine Bombe löschte das junge Leben von Omars Bruder jäh aus. „Morgen ist schöner“, sprach sein Vater auf Arabisch. Omar war wütend und ungläubig: „An welchen Morgen glaubst du?!“ fragte er. Doch dieser Satz wurde auf seiner Flucht und bis zum heutigen Tag sein eigener Leitsatz. Er sagt darüber: „Wir müssen kleine gute Schritte machen, damit morgen schöner ist. Es ist ein Tun. Morgen ist schöner, wenn wir heute handeln und gestalten.“ Unter diesem Motto finden seine Lesungen und auch seine Workshops mit Jugendlichen statt: Er klärt auf über Diskriminierung und Vorurteile in der westlichen und in der arabischen Welt. Er baut Brücken zwischen den Welten. „Jeder kann etwas für den Frieden tun. Es kann nur schöner sein, wenn wir uns alle einmischen“ sagt er.

Überleben ohne Heimat

Wie hält man es aus, ständig auf der Flucht und überall fremd zu sein? „Heimat ist eine Entscheidung“ sagt Omar. Auf seiner Flucht hat er erkannt, dass er eine Wahl hat: An der Sehnsucht nach einer Heimat zugrunde zu gehen oder nach vorne zu schauen. „Alles im Leben ist Energie. Ich kann von der Sehnsucht depressiv werden – dann habe ich die Energie falsch eingesetzt – oder ich kann von den schönen Dingen in Syrien erzählen. Ankommen ist in mir, nicht an einem Ort. Das habe ich gelernt.“

In sich anzukommen bedeutete für Omar, seine Fähigkeiten nicht aufzugeben: „Ich musste an mich glauben, als es kein anderer tat. Das ist lebenswichtig. Ich durfte den Schreiber in mir nicht vergessen.“ So schrieb der Autor selbst unter den widrigsten Umständen Gedichte und Texte, auch von der Liebe – und fühlte sich dadurch lebendig.

Omar Khir Alanam hat uns alle am Samstag bewegt und inspiriert. Seine Weisheit, seine Weitsicht und sein Mut waren Anlass für viele schöne Gespräche im Anschluss der Lesung. Es wird ein unvergesslicher Abend bleiben. Danke, lieber Omar, dass du bei uns warst!

Sara White

Gästestimmen

„Danke Euch beiden für den wunderbaren, inspirierenden Abend mit Omar, ich bin immer noch verzaubert von diesem besonderen Menschen, den ihr uns so liebevoll näher gebracht habt.“

„Vielen Dank für den schönen, interessanten und inspirierenden Abend bei euch. Ihr wart tolle Gastgeber und hattet auch tolle Gäste da.“