Achtsamkeit und Ruhe: Eine Frau meditiert am Strand

Meditation – Worüber könnte man nachdenken, wenn man keine Augen, keine Ohren, keine Nase, keinen Mund und keine Haut hätte?

Zugegebenermaßen eine etwas gruselige, aber vielleicht auch interessante Frage, die das Potential für ein paar Einsichten hat. Wenn man sich tatsächlich vorstellt, dass ein Baby ohne diese fünf Sinnesorgane geboren werden würde, und es aus irgendeinem Grund am Leben bleiben sollte, womit sollte dieses Baby mit seiner Umwelt und auch mit sich selbst interagieren? Es würde nichts sehen, nichts hören, nichts riechen, nichts schmecken und auch nichts fühlen – und damit würde es auch niemals zu denken beginnen. Denn es wird einem sofort klar, dass das Denken dieses Menschleins nur „gezündet“ werden würde, wenn sein Gehirn über die Sinnesorgane mit Eindrücken „gefüttert“ wird. Aus dieser Tatsache ergibt sich auch, dass der gesamte Denkprozess kein willentlicher Akt ist, sondern dass das Gehirn eines Kleinkindes automatisch zu denken beginnt.

Das Denken ist ein automatischer Akt – das Ego erwacht erst im Alter von zwei Jahren

Im Alter von ca. zwei Jahren „erwacht“ das Ego der kleinen Kinder – genauer gesagt, das Gehirn hat sich so weit entwickelt, dass es dazu fähig geworden ist, sich selbst und die Welt zu erkennen. In diesem Moment sagen sie zum ersten Mal „Nein“ und „Ich“ und es erwachen auch die starken Gefühle wie Angst, Wut, Zorn, Neid und Eifersucht. Die Kinder und ihre Gehirne entwickeln sich unter dem Bombardement der Sinneseindrücke stetig weiter bis sie in der Pubertät anfangen, unter ihren eigenen Gedanken zu leiden. In den ersten 13 bis 15 Lebensjahren können Kinder nicht kritisch denken. Ihre Gehirne nehmen ungefiltert alles auf, was über die Sinnesorgane in sie eindringt. In der Pubertät entsteht zum ersten Mal der Wunsch, nichts mehr zu denken, das Gehirn auszuschalten und Ruhe vor sich selbst zu haben. Kinder rebellieren dann gegen das Denken der Eltern und beginnen intuitiv damit, ihre eigenen Gedanken zu betäuben, da sie nicht wissen, wie sie den Sturm in ihrem Gehirn anderweitig beruhigen können. Aus diesen Betäubungen (exzessiver Sport, Zigaretten, Alkohol, Drogen, Fernsehen, Chatten, Videospiele, übermäßiges oder gar kein Essen, Konsum etc.) entstehen die schädlichen Gewohnheiten, von denen man sich dann Jahre später zu befreien sucht.

In allen alten Traditionen haben Meister den Zusammenhang zwischen den Sinneseindrücken und dem automatischen Denken erkannt – Meditation.

Ein Kaffeeduft, ein ungewöhnliches Geräusch, ein Jucken am Körper, ein Blinken am Handy, ein spontaner Gedanke – das alles hat große Macht über uns, da es unseren bewussten Geist fesseln und von der eigentlichen Idee oder Beschäftigung abbringen kann. Egal ob Hinduisten, Buddhisten, Taoisten oder Mitglieder vieler anderer fernöstlicher Religionen und Denkschulen – sie alle üben den „Rückzug der Sinne“, um das Denken zu beruhigen und die Gedanken unter die eigene Kontrolle zu bekommen. Ihrer Auffassung nach, kann nur derjenige Herr über sein eigenes Denken und Fühlen werden, der eine kritische (innere) Distanz zum Gesagten, Gehörten, Gesehenen, Geschmeckten, Gefühlten und Gedachten hat. Wer beispielsweise durch die Worte eines anderen in seinem Innersten „berührt“ werden kann, kann seine eigene emotionale Reaktion darauf nicht kontrollieren – er ist nach Auffassung der alten Meister, zum Opfer des anderen geworden.

Die „einfachste“ Möglichkeit sich von der Welt zurückzuziehen, ist einen oder mehrere Sinne „auszuschalten“ – das ist Meditation.

Das Schließen der Augen geht leicht. Sich an einen ruhigen Ort zurückzuziehen ist dagegen schon sehr viel schwieriger, da es kaum Orte gibt, an denen es wirklich still ist und blöderweise haben die Ohren, wie die Nase, keinen Deckel, der sich, wie bei den Augen, schließen lässt. Den Mund zu schließen, nichts zu schmecken und vor allem nichts zu sagen, ist für die allermeisten Menschen ein Ding der Unmöglichkeit. Zen Meister haben entdeckt, dass bewegungsloses Sitzen tatsächlich dazu führt, dass man seinen eigenen Körper nicht mehr wahrnimmt und sich alle Empfindungen auflösen – dummerweise führt bewegungsloses Sitzen erst einmal zu riesigen Schmerzen und erst nach vielen Monaten oder Jahren kann der Übende schmerzfrei stillsitzen und die Phänomene beobachten, die dabei entstehen. Bevor der Übende also damit beginnen kann, sein eigenes Denken unter die Lupe zu nehmen, muss er lernen, die fünf großen Sinneskanäle zu beherrschen, was gut und gerne zehn bis 15 Jahre in Anspruch nehmen kann.

Die moderne Ablenkungsindustrie füttert die Gehirne jedoch mit immer neuen Reizen und Informationen, so dass ein „Sinnes-Rückzug“ kaum möglich ist.

Erstaunlicherweise füllen Menschen eine reizarme Umgebung selbst sofort mit Musik, da sie behaupten, die Stille nicht zu ertragen oder sie zücken vollautomatisch ihre Smartphones, um ihr unersättliches Gehirn mit den neuesten Instagram-Posts zu versorgen. In vielen Familien transportiert der Fernseher schon zum Frühstück die schlechten Nachrichten ins Haus, da sich die Menschen auch diese kleinen Momente der Stille offensichtlich zerhacken wollen. Gleichzeitig sehnen sich Millionen Menschen nach Ruhe und Rückzug. Des Deutschen Lieblingswort ist Urlaub – die Flucht aus dem (Arbeits-)Alltag – gerne verbringen sie ihn in Wellness Hotels, Yoga-Retreats oder auf einsamen Inseln wie Mallorca oder Sylt, wo lärmende Touristen jedes idyllische Plätzchen schon längst für sich entdeckt haben.

Die westliche Psychotherapie hat vor einigen Jahren entdeckt, dass ein zeitweiser Rückzug der Sinne (Meditation) einen heilsamen Effekt auf das Gehirn hat.

Meditation wird heute auf Rezept verordnet. In großen Firmen haben Mindfullness-Programme Einzug gehalten, weil sich Firmenchefs bzw. ihre Personalabteilungen davon eine Effizienzsteigerung versprechen und sie der allgemeinen Burnout-Angst etwas entgegensetzen wollen.

Wer den Weg nach innen gehen will, um sich von seinen lärmenden Gedanken zu befreien, braucht letztlich einen erfahren Meister, der einem den Weg dazu aufzeigt.

Wenn es stimmt, dass man für die ersten Etappen des Weges viele Jahre braucht, dann ist man ohne Guide verloren. Der grüblerische Geist wird den Weg anzweifeln und nach einigen Wochen verlassen. So enden alle Entspannungstechniken und selbstverordneten Meditationsübungen meist in der gleichen Schublade, in der schon all die Technikgadgets (Schrittzähler, Pulsuhren, Fitnesstracker, Bauchmuskelstimulationsvirbrationsmaschinen, Selbsthilferatgeber etc.) gelandet sind.

Wer einmal auf elegante Art erleben will, wie sich der „Rückzug der Sinne“ von innen anfühlt, der könnte sich in ein „Float-Becken“ legen.

Das ist einer der Geheimtipps am Stuttgarter Killesberg. Dort herrscht, wie im Mutterleib, absolute Dunkelheit und vollkomme Ruhe (abgesehen vom eigenen Herzschlag und ein paar Wasserbewegungen) und man schwebt in einem extrem salzhaltigen, warmen Wasser wie ein Baby im Fruchtwasser oder wie ein schwereloser Astronaut im All. Wenn man sich regungslos ins Wasser legt, kann man dort nach einer Weile beobachten, wie sich das eigene Körperempfinden und alle Sinneseindrücke auflösen und nur das eigene Denken übrigbleibt. Diejenigen, denen es dann gelingt, die sich aufdrängelnden Gedanken loszulassen, können sich dort sehr leicht in einen Zustand versetzen, für den man beim Meditieren viele Jahre braucht. Der einzige Nachteil besteht darin, dass man aus dieser angenehmen Fünf-Sterne-Hotel-Umgebung wieder herausmuss und den Nutzen im Alltag nur kurzfristig genießen kann. Wer lernen möchte, seine Gedanken und Gefühle auch in schwierigen Lebensumständen selbst zu steuern, sollte sich bei uns über die Coaching Ausbildungen informieren oder zu einem Meditationsworkshop mit Prof. Milenko Vlajkov und Dr. Daniel Holzinger anmelden.

Die nächsten Termine, an denen wir über die Meditation oder unsere Coaching Ausbildungen zum Therapeut oder Coach informieren, finden in unserem Dr. Holzinger Institut, Alexanderstr. 23 in Stuttgart statt. Fragt gerne direkt bei Daniel an.

 

Ihr

Dr. Daniel Holzinger & Dipl. Psych. Milenko Vlajkov

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