Häufig werden wir gefragt, was denn der Unterschied zwischen den einzelnen Beratungsformen sei? Was unterscheidet den Kognitiven Ansatz beispielsweise vom Systemischen Coaching?

Bei der Beschäftigung mit diesen Fragen ist uns eines sehr deutlich geworden: Das, was unter Systemischem Coaching zu verstehen ist, kann nicht präzise geklärt werden. Es gibt einfach zu viele verschiedene kommerzielle Anbieter, die sich alle unter dem Begriff des Systemischen Coaching sammeln und doch dabei versuchen, sich voneinander abzugrenzen.

Wikipedia beispielsweise sagt: „Systemisches Coaching bezeichnet allgemeine Beratungsgespräche bei alltäglichen Fragen der persönlichen Lebensführung im beruflichen und privaten Bereich. Es wird von einigen Kritikern als eine Wortschöpfung verschiedener kommerzieller Anbieter und Verbände zu Werbezwecken bezeichnet. Validierte Studien über die Wirksamkeit des Systemischen Coachings liegen nicht vor. Eine staatlich oder wissenschaftlich anerkannte, fundierte Ausbildung existiert ebenfalls nicht, was allerdings im Beratungsbereich insgesamt unüblich ist.“

Systemisches Coaching ist im Vergleich zur RE&KVT unklar

Der Bezug zur „Systemischen Therapie und Beratung“ (auch als psychotherapeutische Richtung) ist ungeklärt bzw. genau darin besteht das zu klärende Verhältnis, bei dem keine Einheitlichkeit der Auffassungen vorherrscht.

Die RE&KVT ist im Gegensatz dazu ein absolut klar strukturierter, theoriegeleiteter und lösungsorientierter Ansatz in der Beratung und Therapie. Der größte Unterschied zu allen anderen Ansätzen besteht darin, dass es eine klare, leicht zu verstehende und zu überprüfende Theorie hinter diesem Ansatz gibt. Diese Theorie fußt auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner, auf den sich die Psychologen bisher einigen konnten: Es sind die dysfunktionalen Gedanken, die die emotionalen und praktischen Probleme der Menschen verursachen. In der RE&KVT wird seit 1955 systematisch untersucht, welche Gedanken überhaupt dysfunktional sind und warum und auf welche Weise die dysfunktionalen Gedanken emotionale Blockaden und praktische Probleme hervorbringen.

Systemisches Coaching hat keine fundierte Psychodiagnostik

Im Systemischen Coaching wird eine gründliche Diagnostik im Vergleich zum Therapie- bzw. Coaching-Ansatz der RE&KVT weitgehend abgelehnt. Es wird, aus einem uns unbekannten Grund behauptet, dass der Ist-Zustand des Klienten nicht so wichtig sei. Häufig wird er auch als komplett unwichtig betrachtet. So stehen im Systemischen Coaching die Ziele des Klienten zu Beginn der Zusammenarbeit im Fokus, ohne genau zu wissen, worin eigentlich die Störung des Klienten besteht.

In der RE&KVT ist eine präzise und glaubhafte Diagnostik des Ist-Zustandes von äußerster Wichtigkeit. Zwischen dem Ist-Zustand des Klienten und seinem angestrebten Wunsch- oder Soll-Zustand besteht eine Diskrepanz – ansonsten würde er keine Hilfe suchen und eine Therapie oder ein Coaching in Anspruch nehmen. Daraus ergibt sich eine kognitive Dissonanz, die sich durch zwei sich diametral gegenüberstehenden Gedanken in Bezug zum gleichen Phänomen zeigt. Klingt kompliziert, ist es aber nicht: An einem Beispiel erkennt man sofort, was gemeint ist:

Ein übergewichtiger Mann steht vor dem Spiegel. Sein Spiegelbild, das er mit den Augen im Spiegel sieht, ist das „wahrgenommene Phänomen“. Der erste Gedanke definiert den Ist-Zustand: „Ich kann meinen Anblick nicht ertragen, ich bin viel zu fett!“ Der gegenüberstehende Gedanke formuliert den Soll-Zustand: „Ich wäre gerne schlank. Das wäre die Verbesserung, die ich mir wünsche! Aber es ist so schwer das zu erreichen. Ich schaffe das nie! Außerdem esse ich doch so gerne.“ Die kognitive Dissonanz in diesem Beispiel besteht darin, dass die Person gerne schlank wäre, aber nicht bereit ist, die Anstrengungen und den Verzicht in Kauf zu nehmen.

Diese Dissonanz wird durch den Kognitiven Ansatz gründlich, zügig und nachhaltig behoben, so dass der Klient/Patient sein Denken, Fühlen und Handeln harmonisieren kann – das ist aus unserer Sicht der ideale Zustand. Der Klient ist mit sich im Einklang – er fühlt sich gut mit dem was er denkt und tut. Er ist schlicht zufrieden oder sogar glücklich.

Unternehmen „lieben“ den Systemischen Ansatz – warum nur?

Das Theoriegebäude des Systemischen Ansatzes ist zudem sehr komplex und es wird versucht, bei der Behandlung der Klienten/Patienten alle relevanten Störgrößen miteinzubeziehen. So befasst sich der Systemische Coach hauptsächlich mit den Strukturen und Systemen, in die der Klient eingebettet ist (Familie, Freunde, hierarchische Position im Unternehmen etc.). Im Management von großen Unternehmen ist dieser Ansatz daher logischerweise sehr beliebt und stark vertreten, da Manager und Führungskräfte der Meinung sind, dass sie an den Denk- und Verhaltensweisen ihrer einzelnen Mitarbeiter sowieso wenig ausrichten können – die Systeme und Strukturen, unter denen die Menschen aber scheinbar leiden, können sie jedoch relativ leicht verändern.

Die Führungskraft beweist: „Seht her, ich tue was!“

So kann manch „agile“ Führungskraft sich selbst und dem Unternehmen beweisen, dass sie „etwas tut“. Diese Führungskraft zeigt allen, dass sie willens ist, das Unternehmen voranzubringen, wenn sie eine neue Büroorganisation einführt, die Hierarchiestruktur verändert, das Bewertungs- und Gratifikationsschema umkrempelt oder die Krawattenpflicht im Unternehmen abschafft. Aber ob die Schreibtische in Einzelbüros oder im Großraumbüro stehen oder ob es in einer Firma gar keine individuellen Arbeitsplätze mehr für die Mitarbeiter gibt, ist aus unserer Sicht weniger wichtig, als die Behebung der dysfunktionalen Denkweise der einzelnen, leidenden Personen.

Manche Mitarbeiter „leiden“ unter dem Großraumbüro, andere lieben die Möglichkeit auf Zuruf zu arbeiten und für andere ist es eine Horrorvorstellung, keinen eigenen Arbeitsplatz mehr zu haben. Manche Mitarbeiter wünschen sich flache Hierarchien, andere wiederum lieben es einen „Chef“ zu haben, der die Richtung vorgibt.

Selbstredend ist es für viele Firmen entscheidend, ihre Strukturen, Systeme und Prozesse optimal zu organisieren, um möglichst effizient zu arbeiten und Profit zu machen. Zwischenmenschliche Probleme und Konflikte lassen sich dadurch wahrscheinlich schlecht oder überhaupt nicht in den Griff bekommen.

Nicht das Büro „erzeugt“ den Frust, sondern das eigene Denken

Aus Sicht der RE&KVT sind Strukturen, Systeme oder Prozesse nur als aktivierende Ereignisse zu betrachten, die nicht ursächlich für die kognitive Dissonanz sein können. Das, was der Einzelne beispielsweise über das Arbeiten in einem Großraumbüro denkt, erzeugt seine Gefühle (Freude oder Ärger) – nicht das Büro selbst. Die Vorstellungen (Achtung: das sind Gedanken) darüber, wie es ist, keinen festen, eigenen Arbeitsplatz mehr zu haben, erzeugt bei Einem Freude, beim Anderen Verunsicherung und bei einem Dritten Gelassenheit.

Was kann man ändern – und was nicht?

In der Beratung/Therapie konzentriert man sich auf das, was sich verändern lässt. Für einen Systemischen Coach ist klar, dass er mit seinem Klienten die Rahmenbedingungen ändert, in die der Klient eingebunden ist (oder es zumindest versucht). Für einen RE&KVT-Coach steht die Änderung der Rahmenbedingungen nur selten im Fokus. Er konzentriert sich mit seinem Klienten auf die dysfunktionalen Gedanken und versucht diese zu verändern. Denn sehr häufig lassen sich die Rahmenbedingungen, Systeme und Strukturen überhaupt nicht verändern. Ein Beispiel ist die Systemische Familientherapie, bei der durch eine Aufstellung der familiären Strukturen, die Konflikte sichtbar gemacht werden sollen. Durch eine Aufstellung der Familie ändert sich aber die Struktur der eigentlichen Herkunftsfamilie nicht und es lassen sich dadurch auch keine familiären Probleme lösen. Auch wenn diese Familienaufstellungen in der Regel sehr dramatisch und emotional ablaufen. In der RE&KVT gibt es elegantere Wege um mit solchen Problemen umzugehen – und sie vor allen Dingen auch zu lösen.

Die Rollen sind in der RE&KVT klar definiert

Ein Coach oder Therapeut, der auf Basis der RE&KVT arbeitet, kann in der Regel im Vorhinein angeben, wie viel Zeit die Behebung der kognitiven Dissonanz seines Klienten in Anspruch nehmen wird. Eine wichtige Voraussetzung muss dazu aber erfüllt sein: der Patient/Klient verpflichtet sich zur Kooperation.

Die Rollen lassen sich im Kognitiven Ansatz (mit einem Augenzwinkern formuliert) präzise definieren: Der Klient ist der „Experte für seine Probleme“. Der Therapeut/Coach ist der Experte für die Lösung dieser Probleme. Aus dieser einfachen Definition ergibt sich eine klare Verteilung der Aufgaben. Der Klient präsentiert seine Probleme und definiert zusammen mit dem Therapeuten/Berater was er erreichen möchte. Um das gemeinsame Ziel zu erreichen, stattet der RE&KVT-Coach/Therapeut seinen Klienten mit den notwendigen Kenntnissen und Techniken aus. So erlernt der Klient nach und nach seine Probleme selbst zu lösen.

Dem Systemischen Ansatz mangelt es an Fokus

Im Gegenzug dazu mangelt es dem Systemischen Ansatz unserer Meinung nach an Fokus. Die Realität, die man für die Behandlung der Störungen zugrunde legen kann, ist so unklar, komplex und vielseitig, dass ein Vertreter des Systemischen Ansatzes, der ja „alles und jedes“ in Betracht ziehen muss, sich kaum fokussieren kann. Das gesamte Theoriegebäude ist aus unserer Sicht schwammig, unverständlich und unklar.

Die RE&KVT ist eine richtige Denkschule

Auf der anderen Seite hat die RE&KVT eine richtige Denkschule entwickelt. Diese sei hier in aller Kürze dargestellt. „Richtiges“ (rationales) Denken zeichnet sich nach dieser Denkschule durch folgende vier Kriterien aus:

  1. Das Denken ist realitätsbezogen; d.h. es ist in Übereinstimmung mit den Fakten.
  2. Das Denken ist folgerichtig; d.h. ein gedachter Gedanke hat tatsächlich eine bestimmte (angenommene) Folge zur Konsequenz.
  3. Das Denken ist umsetzbar; d.h. man kann das, was man gedacht hat, auch machen.
  4. Das Denken ist nützlich, förderlich und gesund.

Gedanken, die dieser Überprüfung nicht standhalten werden in der RE&KVT als irrational bzw. als „falsches“ Denken bezeichnet. Der kognitive Ansatz hat im Gegensatz zum Systemischen Coaching zur Ausgangshypothese, dass es die irrationalen Gedanken sind, die die ungesunden (hemmenden) Gefühle hervorbringen und eben nicht die Umstände, Systeme, Strukturen, Dinge oder andere Menschen.

Irrationales Denken ist die Quelle für dauerhaftes Unglücklichsein

Irrationales (oder wie ein RE&KVT-Coach/Therapeut sagen würde: falsches) Denken hat automatisch ungesunde Gefühle wie Ärger, Wut, Zorn, Hass, Neid, Schuldgefühle, Verzweiflung, Depression und Angst (u.ä.) zur Folge. Menschen, die dauerhaft irrational denken und sich ungesund fühlen, werden psychisch und oft auch physisch krank. Ihre Gefühlsausbrüche und Unbeherrschtheiten unterminieren und zersetzen ihre zwischenmenschlichen Beziehungen – das führt dann in den Familien, aber auch in der Arbeit, oft zu großen Spannungen und Streitereien. Irrationales Denken macht flexibles Handeln schwer oder völlig unmöglich.

Emotionale Stabilität, Gelassenheit und innere Freiheit von Angst ist ohne richtiges Denken unmöglich!

Richtiges Denken, das oben genannten Kriterien entspricht, verändert die Weltsicht und das Fühlen des Klienten. Darunter verstehen wir, dass ein Mensch aktiv dazu in der Lage ist, in einer für ihn unangenehmen, ungünstigen und negativen Lebenssituation emotional stabil und somit handlungsfähig zu bleiben. Gerade in kritischen Lebenslagen wünschen sich die meisten Menschen doch einen klaren, ruhigen Geist, der die Probleme entweder direkt löst oder die Situation schnell so annimmt, wie sie ist.

Ein kleines Beispiel soll den rationalen Disput verdeutlichen, in dem man richtiges vom falschen Denken unterscheiden kann. Der Coach prüft alle vier oben genannten Kriterien des richtigen Denkens.

Klient sagt: „Der Chef hätte mich befördern müssen!“

In dieser Aussage ist schon die kognitive Dissonanz des Klienten enthalten. Der aktuelle Ist-Zustand des Klienten ist nämlich eindeutig: Sein Chef hat ihn offensichtlich nicht befördert. Sein formulierter Wunsch-Zustand lautet aber: Der Chef hätte ihn befördern sollen! Diese Dissonanz beseitigt der Coach nun im rationalen Disput gemeinsam mit seinem Klienten, in dem er seine Forderung nach einer Beförderung einer Prüfung unterzieht.

Coach: „Sie denken also, dass der Chef sie hätte befördern müssen?“

Klient: „Ja, genau!“

Coach: „Aber er hat sie nicht befördert, oder?“

Klient: „Nein. Er hat einen jüngeren, unfähigen Kollegen befördert und mich übergangen!“

Coach: „Solange sie denken ‚Er hätte mich befördern müssen!‘, was meinen Sie, wie sie sich fühlen werden?

Klient: „Das erzeugt ein sehr unangenehmes, hemmendes Gefühl. Ich fühle mich gekränkt und abgewertet.“

Coach: „Ihre Aussage ‚Der Chef hätte mich befördern müssen!‘ können wir nun zusammen überprüfen und zwar anhand einiger Kriterien. Betrachten Sie bitte für einen Moment die Realität, dass Sie nicht befördert wurden. Dann können wir uns die Frage stellen, ob der Chef Sie wirklich hätte befördern müssen oder ob er auch den Kollegen befördern durfte? Wer gab Ihrem Chef das Recht, Ihren Kollegen zu befördern und Sie zu übergehen? Wo steht geschrieben, dass er Sie hätte befördern müssen? Gibt es dazu irgendein universelles Gesetz? Woraus leiten Sie Ihre Forderung nach einer Beförderung ab?“

Klient (etwas zähneknirschend): „Wenn Sie mich so fragen, gibt es natürlich kein universelles Recht für mich, befördert zu werden. Ich dachte lediglich, dass es endlich an der Zeit gewesen wäre.“

Coach: „Das ist schön, dass Sie das erkennen können. Jetzt eine andere Frage: Folgt aus Ihrem Gedanken, dass es endlich an der Zeit gewesen wäre, befördert zu werden, auch tatsächlich eine Beförderung? Gibt es irgendeinen logischen Zusammenhang zwischen Ihrem Gedanken, dass es so hätte sein müssen und der Realität, dass Sie es dann auch tatsächlich so bekommen?“

Klient (wieder etwas zerknirscht): „Nein, natürlich nicht..“

Coach: „Schön, dass Sie auch das einsehen. Meine dritte Frage lautet: Können Sie Ihre Forderung nach einer Beförderung umsetzen? Werden Sie tatsächlich befördert, nur weil Sie daran denken, dass Sie befördert werden müssten? Haben Sie magische Kräfte oder einen Zauberstab? Oder wer ist für Ihre Beförderung zuständig?“

Klient (beginnt zu schmunzeln): „Nein, ich habe leider keinen Zauberstab. Ich kann mit meinen Gedanken den Chef offensichtlich nicht dazu zwingen, mich zu befördern. Nur der Chef selbst bzw. die Personalabteilung entscheidet darüber, wer befördert wird.“

Coach: „Was nützt Ihnen dann Ihre Forderung? Warum beharren Sie darauf, dass der Chef Sie hätte befördern müssen?“

Klient: „Offensichtlich bringt es mir nur Ärger und Verbitterung, wenn ich auf meiner Forderung beharre!“

Coach: „Sind Sie dann bereit, diese Forderung aufzugeben und sie durch einen funktionaleren Gedanken zu ersetzen?“

Klient: „Ja! Wie geht das? Was könnte ich anstatt der Forderung denken? Jetzt haben Sie mich neugierig gemacht.“

In unserer Ausbildung zum Business Coach aber auch in der Ausbildung zum RE&KVT-Therapeut erlernen Sie selbstverständlich auch die Formulierung einer rationalen Alternative. Denn die Aussage „Der Chef hätte mich befördern müssen!“ ist offensichtlich irrational und falsch. Denn dieser Gedanke ist weder realitätsbezogen, noch folgerichtig, noch umsetzbar und sogar unnütz oder schädlich, wenn sich der Klient mit der unrealistischen Forderung monate- oder jahrelang sein Gehirn zermartert.

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