Resilienz erhöhen und Unannehmlichkeiten aushalten

Nicht so viel bruddeln – das spart Dir Deine Energie

In Stuttgart gibt es den Bruddel-Express. Bruddeln ist schwäbisch und heißt so viel wie jammern und schimpfen. Vor allem ist es ein Schimpfen mit einem aggressiv-fordernden Unterton, der häufig mit einem Schuss Selbstmitleid gepaart ist. Der Bruddel-Express ist die Stadtbahn, die die Fans des VfB Stuttgart am Spieltag zum Stadion karrt. Interessant ist, dass die Fans schon auf der Hinfahrt bruddeln. Über den Trainer, den Chancentod Gomez und überhaupt über alles andere. Wenn das Spiel dann auch noch schlecht gelaufen ist, dann wird die Rückfahrt im Bruddel-Express zur Jammerorgie – das Gegenteil von Resilienz.

Fußball ist Drama

Natürlich ist das so gewollt. Fußball ist Drama. Und ein Drama ohne emotionales Rumgeheule ist kein Drama. Und selbstverständlich wird jeder ordentliche Hardcore-Fan es vehement abstreiten, ein Jammerlappen zu sein, der wegen einer Niederlage eine Schlägerei beginnt oder im besten Fall nur so schlecht gelaunt ist, dass das Wochenende gelaufen ist.

Drama gibt es auch im Business – Resilienz wäre besser

Ähnlich verhält es sich mit allerlei Dramen im beruflichen Kontext. Auch dort wird maximal gebruddelt – über den undankbaren Chef, der nie lobt, über den faulen Kollegen, der nur Löcher in die Luft starrt und über die Arbeitsabläufe, die niemand besser organisieren kann, als man selbst.

Mag das Gejammer im Falle des Fußballs noch irgendwie „lustig“ sein und zur Inszenierung dazugehören, ist es im Business reine Zeit- und Energieverschwendung. Diese ungeheure Energieverschwendung, die durch das Gebruddel entsteht, ist es, die dazu führt, dass ganze Abteilungen unter ihren Möglichkeiten arbeiten und vielleicht ist es auch eine der Ursachen, warum der VfB seit Jahren unter seinen Möglichkeiten spielt.

Warum jammern und bruddeln die Menschen dann so viel?

Vor allem, wenn es nichts bringt und sogar noch Energie verschwendet? Weil sie Unannehmlichkeiten so schlecht aushalten und nur sehr wenig emotionale Widerstandskraft gegen Dinge haben, die ihnen nicht gefallen und die gegen ihren Willen geschehen. Wenn Dinge gegen den eigenen Willen geschehen, erzeugt das eine innere Spannung. Und dieser inneren Spannung kann man durch aggressives Schimpfen Luft verschaffen. Es ist ein einfacher, aber unintelligenter Weg, um Stress abzubauen.

Wünsche müssen erfüllt werden, oder?

Ein ordentlicher VfB Fan wünscht sich nichts Sehnlicheres, als den Sieg seines Vereins. Wenn er dann wider Erwarten verliert, ist die innere Spannung, der Stress des Fans so groß, dass er aus lauter Verzweiflung wütend werden muss, um nicht zu „platzen“. Ganz ähnlich verhält es sich mit Büroangestellten, die jahrein, jahraus Dinge tun und aushalten müssen, die sie nicht wollen. Das Dilemma besteht allerdings darin, dass beide die Ursache für ihr Leid durch die Wut nicht beseitigen, sondern nur kurzfristig betäuben. Der Verein hat immer noch verloren, egal wie aggressiv man schimpft und der Chef gibt einem weiterhin sinnentleerte Dinge zu tun, auch wenn man sich darüber aufregt.

Das Büro-Gejammer wird zum Motivations- und Kreativitätskiller

Nicht nur beim VfB, sondern auch im Business-Kontext wird das Büro-Gejammer dann zum Bumerang. Jeder Einzelne verschafft sich durch seine Bruddelei zwar kurzfristig ein wenig Erleichterung, im Kollektiv wird das Geschimpfe jedoch zum Motivations- und Kreativitätskiller. Spieler laufen nicht mehr so gut wie zuvor und Mitarbeiter kündigen innerlich. Beide sabotieren schlimmstenfalls das Team.

Resilienz ist ein Maß dafür, ab wann jemand zu jammern beginnt

Die Fähigkeit mit unerfüllten Wünschen, Niederlagen, Schwierigkeiten, Rückschlägen und Hindernissen angemessen umzugehen, wird, vor allem im Business-Kontext, als Resilienz bezeichnet. Resilienz ist, wie oben schon einmal genannt, die emotionale Widerstandskraft gegen Unannehmlichkeiten jeglicher Art. Auch „Augenrollen“, „kalte Schulter zeigen“ und „Schweigen“ muss man dazu zählen. Man könnte fast sagen, dass die Resilienz ein Maß dafür ist, ab welcher Menge „Stress“ jemand zu jammern oder zu bruddeln beginnt.

Resilienz erhöhen: Je weniger Gejammer, desto besser die Zusammenarbeit

Je weniger die Menschen jammern und bruddeln würden, desto angenehmer wäre die Zusammenarbeit. Denn durch das Gejammer verpesten sie ihre Umwelt, wie Dieselabgase das Neckartor. Die einzige Schwierigkeit besteht nun darin, dass irgendjemand mit der Meckerei aufhören und die Realität, so unangenehm sie auch gerade ist, akzeptieren müsste. Und zwar auf eine gesunde Art und Weise, die nicht dazu führt, dass man sich abstumpft und eine „Scheißegalhaltung“ bekommt.

Man braucht geistige und emotionale „Muckies“

Für diesen gesunden Umgang mit dem unangenehmen Teil der Realität, benötigt man geistige und emotionale „Muckies“, die die Resilienz erhöhen. Diese Muckies bilden sich durch das richtige Wissen für den Umgang mit Unannehmlichkeiten und durch Übung. Diese Übung besteht im Grunde darin, sich immer wieder bewusst diesen Unannehmlichkeiten auszusetzen und sich auf die Probe zu stellen: Halte ich es aus, obwohl ich es nicht mag? Und wenn ich es aushalte, wozu sollte es dann gut sein, wenn ich darüber jammere? Wenn es mir gelingt, das Jammern zu stoppen, habe ich eines von zwei Problemen gelöst.

Euer
Dr. Daniel Holzinger


Wenn Du Deine Resilienz z.B. in einem Business Coaching stärken willst, dann nehme gerne unverbindlichen Kontakt zu uns auf.